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Stuttgarter Konferenz

Aktivitäten-Archiv und Infos zum Herunterladen


Aktivitäten 2016

03.12.2016: Dann kaufen wir eben keinen HP-Computer

Viel Verständnis für den Boykott eines Profiteurs von israelischer Apartheid und Unterdrückung der Palästinenser

Die Protestaktion in Stuttgart: Einige Mitglieder des Palästinakomitee Stuttgart, vor dem Eingang der Königsbaupassagen (Nähe Saturn) am 03.12.2016

Ein eiskalter Samstagnachmittag im Advent, auf den Straßen der Stuttgarter Innenstadt schoben sich die Autos im Schritttempo vorwärts, die Passanten hetzten mit angestrengtem Gesicht von Geschäft zu Geschäft. Wir, 15 AktivistInnen des Stuttgarter Palästinakomitees mussten uns einiges einfallen lassen, um die Aufmerksamkeit der Einkaufenden auf unser Anliegen zu lenken, einen Konsumentenboykott gegen multinationalen Konzern HP mit BRD-Zentrale in Böblingen, den Profiteur von israelischer Apartheid und Unterdrückung der Palästinenser.

Mit 2 großen knalligen, mehreren kleineren ebenfalls farbigen Plakaten einem dem Thema entsprechenden gut ausgestatteten Infotisch und angezogen mit den leuchtend roten T-Shirts „Boycott Apartheid − Made in Israel, Viva Palästina“ hatten wir uns vor der zentralen Einkaufspassage am Stuttgarter Schlossplatz postiert. Dort bietet auch eine große Saturn-Filiale zahlreiche Produkte von HP an. Und die Plakate zogen die Blicke tatsächlich auf sich, recht viele nahmen ein Flugblatt mit und schauten sich mit Interesse den Büchertisch an. „Dass Israel die Palästinenser unterdrückt weiß ich, aber was hat HP damit zu tun“, war eine häufige interessierte Frage.

Immerhin spielt HP eine wichtige Rolle in der Wirtschaft der Region Stuttgart. Die meisten zeigten dann rasch Verständnis für unser Anliegen und solidarisierten sich sogar damit. „Dann kaufe ich eben keinen HP-Computer“ hörten wir mehrfach als Reaktion auf unsere Erläuterungen. Schüler wollten wissen, warum es genau gehe, ließen sich die Aktion und ihren Hintergrund erklären und nahmen Flugblätter mit. Einige waren in der Eiseskälte sogar bereit, längere Gespräche über die Perspektiven für Palästina zu führen, wobei ein Staat für alle seine Bürger bei diesen Gesprächspartnern mit viel Vorwissen überzeugend wirkte.

Was Antideutsche für einen Unsinn reden

Doch auch die Israellobby hatte unsere Aktion im Vorfeld recherchiert. Die Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Stuttgart (DIG) Bärbel Illi, aktives Mitglied der antideutschen sogenannten Emanzipation und Frieden-Gruppe, fotografierte gleich zu Anfang eifrig unsere Gruppe aus dem Eingang der Einkaufspassage heraus. Später fielen uns einige reichlich merkwürdige Gespräche mit scheinbar zufällig vorbeikommenden Passanten auf. Es fing recht harmlos an mit dem durchaus zutreffenden Kommentar, dass Israel die palästinensischen Autonomiegebiete in Gefängnisse verwandelt habe, doch der aufgeregt redende Passant drängte weiter, das sei schlimmer als bei den Nazis. Auf unseren entschiedenen Einwand nahm er diese Behauptung schnell zurück. Der nächste schimpfte auf die US-Amerikaner und bezeichnete diese wiederholt und betont als Untermenschen. Er rannte dann rasch davon, um unseren empörten Einwand ignorieren zu können. Der dritte tischte eine völlig irre Weltverschwörungs-Theorie auf, bei der Rothschildbank und FED eine zentrale Rolle für das Unglück in der Welt spielen sollten.

Klar und deutlich

Doch inzwischen war längst klar, was gespielt wurde und unsere Reaktion entsprechend:
„Du bist ein Antideutscher, du kommst von der Emanzipation und Frieden-Gruppe, sonst würdest du nicht so einen Mist erzählen“, antworteten wir. Der so Angesprochene lachte gequält auf, verschwand sofort und der Spuk war glücklicherweise vorbei.

Jemand anderes beharrte darauf, dass wir die Bibel lesen müssten, denn dann würden wir verstehen, dass Israel das Land Gottes sei. Wir sagten ihm, dass für uns die allgemeinen Menschenrechte maßgeblich seien, Politik und Religion nicht vermischt werden sollten und dass er selbst sicher die Menschenrechte für sich in Anspruch nehmen würde, diese auch für die Palästinenser gelten müssen und dass Religion Landraub nicht rechtfertigen dürfe.

Diese Kommentare waren bei dieser Aktion der einzige Unsinn, den wir zu hören bekamen. Die anderen Passanten äußerten sich in einem sehr menschlichen Sinn verständnisvoll.

Weitere Informationen:

Weltweite Aktionswoche gegen HP

Stoppt HP

 
 
 

Auch weltweit war die Aktionswoche ein Erfolg. In 101 Städten auf sechs Kontinenten fanden über 150 Aktionen statt. Zum Beispiel, in Deutschland und im Vereinigten Königreich.
Generell war 2016 für die BDS (Boykott, Disvestion und Sanktionen) Bewegung sehr erfolgreich. Dazu ein Bericht von der bds-kampagne, Berlin Übersicht der BDS-Erfolge 2016.

Bericht über die Veranstaltung mit dem Koordinator des zivilen Widerstands Abdallah Abu Rahmeh aus Bil’in im Westjordanland in Palästina, am 20.09.2016 in Stuttgart

Abdallah Abu Rahmeh: „Für uns und die Zukunft unserer Kinder müssen wir weitermachen!“

Veranstalter: Palästinakomitee Stuttgart

Abdallah Abu Rahmeh (li), mit Tim Slater, der den Vortrag vom Englischen ins Deutsche übersetzt hat.
Die erste Karte die Abu Rahmeh präsentierte zeigt die Karte Palästinas links und zum Vergleich die Karte des UN-Teilungsplans - die gelb markierten Teile sollten den Palästinensern zugesprochen werden.

In einem sehr detallierten und faktenreichen Vortrag, illustriert mit Infografiken, Fotos, Statistiken, viel Zahlenmaterial und einem Video, schilderte der Koordinator des zivilen Widerstands im Westjordanland Abdallah Abu Rahmeh in seinem Vortrag die Situation in Palästina. Auf seiner Rundreise hat er bereits Vorträge in Berlin (Taz-Cafe) und im Cafe Palestine Freiburg gehalten. Nach seinem Termin in Stuttgart reist er zu weiteren Vorträgen nach Mühlheim/Ruhr, Bremen, Wien, Bern und Zürich.

„Als Erstes will ich der Taz in Berlin danken, die meinen Besuch in Deutschland organisiert hat und auch dem Cafe Palestine in Freiburg und dem Palästinakomitee Stuttgart, damit ich von der Situation in Palästina berichten kann. Es werden viele Punkte sein die ich besprechen möchte – Transfer, die Mauer, Umsiedlung der Beduinen, den Volkswiderstand, die Auswirkungen...“

Gleich zu Anfang präsentierte Abu Rahmeh die Karte des UN-Teilungsplans von 1948 und eine Karte zum Vergleich mit der Situation heute. Dann ging es gleich ins Detail. „Jerusalem, Westjordanland und der Gazastreifen umfassen zusammen 5600 qm. Auf der Karte sieht man die sogenannte grüne Linie*, die 1948 über 390 km lang ist. Die Grenze zwischen West- und Ostjordanland ist ungefähr 145 km lang, die Grenze des Anteils am Toten Meer is ca.187 km lang. Im Westjordanland gibt es um die 800 Ortschaften mit einer Bevölkerung von 2,8 Mio. Menschen.“

Der Oslo-Vertrag von 1993 und die A, B, C-Gebiete
Auf einer weiteren Karte werden die im Oslovertrag vereinbarten Gebietsanteile A, B und C deutlich, die je einen unterschiedlichen Status erhielten. Abu Rahmeh erläuterte die Karte folgendermaßen: die mit A-Status versehenen Teile umfassen die palästinensischen Städte und deren Umland. Diese Anteile haben die weitgehendste Autonomie im Gegensatz zu den anderen Teilgebieten. Die mit B-Status markierten Gebietsanteile befinden sich teilweise unter israelischer Kontrolle und umfassen über 1.000qm. Die mit C klassifizierten Anteile machen zusammen über 3.500 qm aus und befinden sich unter der totalen Kontrolle Israels. „Wir sprechen jetzt über die Situation in den C-Gebietsanteilen. 61% des Westjordanlands haben den Status C.“

Die kolonisierten Gebiete betragen 520.000 Dunum erläutert er. Ein Dunum entspricht ungefähr einem Hektar. Im Westjordanland gibt es 159 israelische Siedlungen und 93 militärische Stützpunkte der israelischen Armee...

Zum vollständigen Bericht (PDF)

Bericht: M. Kunkel, Pako

Veranstaltung mit Atef Abu Seif am 12.05.2016 in Stuttgart

Frühstück mit der Drohne

Atef Abu Seif und Tim Slater, unser Übersetzer

Ich habe den Titel nicht ausgesucht sagt Atef Abu Seif... heute Abend gehe es um Drohnen und ihre immer größere Verbreitung. Sie sind ständig mit Dir, sie begleiteten uns den ganzen Tag. Man dürfe auch nicht vergessen, dass Drohnen über ganz Palästina eingesetzt würden, nicht nur über Gaza. Auch über dem Südlibanon, dem Westjordanland und dem Golan. Aber wir sprechen jetzt über die Situation in Gaza meint Abu Seif.

Israel ist der größte Werber für Drohnen, das Geschäft läuft. Noch vor zwei Jahren fand man nichts auf Websites über die Nutzung von Drohnen im Gazastreifen, es wurde unter den Tisch gekehrt. Israel benutzt Drohnen jedoch viel häufiger als die USA in seinen Auslandseinsätzen. Die Nutzung geht bis in die späten 70iger und die frühen 80iger zurück, als sie bereits im Libanon eingesetzt wurden. Das Konzept Drohnen als Kriegswaffen einzusetzen – das ist die Frage die ich ansprechen will.

Der Kampf wird durch ihren Einsatz noch mehr entmenschlicht - durch die Fernsteuerung, durch den sicheren Ort von dem aus sie gesteuert werden, es ist wie ein Videospiel. Es macht den Prozess zu töten noch einfacher. Dadurch wird alles noch inhumaner. In der Zukunft wird es auch möglich sein dass Leute ihre eigenen Drohnen herstellen. Sie sollten klassifiziert werden als unkonventionelle Waffen, so wie atomare, biologische und chemische Waffen. Israel benutzt Drohnen normalerweise zu Angriffen – so wie in den Kriegen 2008/09 und 2014. Aus dem Krieg 2009/2009 gibt es den Bericht, dass ein Mann der ein ein Wasserrohr trug, getötet wurde, da der Drohnenpilot vermutete, dass es eine Rakete sei. Israel nutzt sie, um Erfahrungen zu sammeln, die dann der Weiterentwicklung dieser Waffensysteme dienen. Gaza ist das Labor dazu. Sie testen die Effizienz und die Palästinenser sind die Mäuse im Labor. Länder die diese Drohnen kaufen, auch EU-Mitgliedsstaaten sind dadurch mitschuldig an diesen Tests an den Palästinensern. Wenn man die Statistik anschaut stellt man fest, dass die Verkaufszahlen nach jedem Krieg nach oben gehen. Der Export wird nach jedem Krieg gesteigert. Auch 2012 wurde im Wert von 2 Milliarden Dollar verkauft. In Hamburg wurde auf einer Verkaufmesse gezeigt wie ein Hamasführer mit einer Drohne getötet wurde. Es gibt Berichte darüber wie ausländische Soldaten, auch französische, ausgebildet werden in Israel, aber die Regierung behauptet, dass sie nicht davon gewusst hat. In England entbrannte eine heftige Diskussion darüber, dass englische Soldaten von Israelis an einer Drohne ausgebildet werden, die im Gazakrieg 2008/09 für Kriegsverbrechen eingesetzt wurde. Bilaterale Entwicklungsabkommen zwischen Israel und einigen EU-Mitgliedsstaaten zur Förderung der Technik wurden geschlossen.

Doch zurück nach Gaza. Israel setzt Tag und Nacht Drohnen über dem Gazastreifen ein. Die Drohnen sind Bürger Gazas geworden. Israel hat sich nicht aus Gaza zurückgezogen. Die Soldaten stehen nur außerhalb und die Drohnen sind ständig da. Die physische Besatzung wurde durch eine digitale ersetzt. Gesetzlich gesehen ist Israel noch immer der Besatzer, denn es kontrolliert den Luftraum, die Grenzen, die Küste und das Land.

Das Buch kann beim Unionsverlag
bestellt werden.

Es werden ständig tausende von Aufnahmen gemacht. Die Soldaten sehen alles, wie in einem Videospiel. Sie können auf bloßen Verdacht irgend jemand töten den sie sehen. Die meisten Opfer im letzten Krieg wurden durch die Drohnen verursacht. Kriegsverbrechen werden begangen. Es gibt zahlreiche Fälle in denen ganze Familien ausgelöscht wurden. In den Berichten von Menschenrechtsorganisationen kann man lesen, dass Leute umgebracht wurden nur auf Verdacht. Während des Ramadan hat eine Familie auf dem Dach ihres Hauses die erste Mahlzeit nach dem Fasten gegessen. Das Essen war vor ihnen ausgebreitet – das reichte schon um sie alle umzubringen, denn es war verdächtig. Diese Verbrechen stehen auch im Goldstone-Bericht über Kriegsverbrechen die im Krieg 2008/09 begangen wurden.

Es gibt weitere Aspekte und Auswirkungen über das Leben mit den Drohnen in Gaza. Selbst wenn man einmal keine Drohne surren hört hat man das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie begleiten einen ständig im täglichen Leben. Ab und zu wird auch das Signal des Fernsehers durch Drohnen gestört, wenn sie tief fliegen. Die Hauptauswirkung ist psychisch. Tausende von Kindern sind traumatisiert. Drohnen werden mit Tod gleichgesetzt. Wenn Kinder die Drohnen hören, erinnern sie sich sofort an den letzten Angriff und wer dabei alles getötet wurde. Das alles hat auch schödliche Auswirkungen auf die Bildung. Die Kinder können sich nicht auf den Unterricht konzentrieren. 2014 wurde eine Schule der UNWRA von einer Drohne angegriffen. Auch Universitäten wurden angegriffen. Das soziale Leben nimmt Schaden. Ein Kind sieht seinen Vater, der es nicht beschützen kann, das hat natürlich auch negative Auswirkungen auf die Familien.

Eines Tages nahm ich meine Kinder zur Erholung an den Strand mit, nachdem wir das Haus einige Tage nicht verlassen hatten können. Eines meiner Kinder fragte mich wann denn der nächste Krieg käme. Es hat mit seinen acht Jahren bereits drei Kriege miterlebt!

Der Krieg ist nicht vorbei, seine Auswirkungen sind noch immer präsent. Die meisten Häuser und die Infrastruktur die zerstört wurden sind noch nicht wieder aufgebaut. Die Hauptprobleme der Menschen ist, dass sie ihre Häuser wieder errichten müssen. Aber Israel erlaubt die Einfuhr von Zement nicht. Es gibt Hilfsgelder von der UNO, doch Israel verzögert alles immer weiter. Nichts ist seither besser geworden. Auch die Fischer sind von der Laune der Armee abhänging und können mal drei und manchmal bis sechs Kilometer weit vor der Küste hinaus fahren. Bauern können sich nicht um ihre Äcker kümmern, die nahe der Grenze liegen. Sie sind ständig der Gefahr erschossen zu werden ausgesetzt. 14 Jahre Blockade und Drohnen beeinflussen das Leben in Gaza schwer. Die Drohnen sind ein Teil der Blokade. Auch die Frage von Ein- und Ausreise ist ein Problem. Ein Beispiel dazu: eine meiner Studentinnen wohnt an der Grenze zu Ägypten. Das Fenster des Hauses geht nach Ägypten auf. Aber sie war noch nie dort – und das mit 26 Jahren. Gaza ist ein Küstengebiet. Aber die Bürger können auch nicht per Schiff aus- und einreisen.

Man gewöhnt sich an die Stimme der Drohnen. Es gibt sie in vielen verschiedenen Größen. Manche sind klein wie Vögel, manche so groß wie Düsenjets.

Bericht: Pako

Nach Atef Abu Seifs Vortrag las Tim Slater, der den Vortrag übersetzt hatte, noch einige Paragrafen aus dem sehr eindrucksvollen Buch von Atef Abu Seif. Danach gab es noch eine Diskussion.

Der Referent Atef Abu Saif ist ein in der arabischen Welt bekannter Romancier und Professor für Politikwissenschaften an der Al-Azhar-Universität in Gaza. Im 51-tägigen Krieg gegen den Gazastreifen im Sommer 2014 hat er Tag für Tag festgehalten, was um ihn herum geschah und wie er mit seiner Frau den Alltag bewältigte... Infoblatt zur Veranstaltung

Unser Youtube-Kanal ist hier zu finden

Palästina-Nakba-Tag in Stuttgart am 07.05.2016

Felicia Langer, Schirmfrau der Veranstaltung, konnte zwar nicht persönlich dabei sein, schickte aber dieses Grußwort.
Video mit Ausschnitten der Veranstaltung auf youtube

Wie im letzten Jahr war es wieder voll auf dem Schlossplatz bei unserer Veranstaltung, das Wetter war bei mehr als 26 Grad sommerlich und die Stimmung gut...

Verena Rajab vom Palästinakomitee Stuttgart eröffnet die Veranstaltung und liest Felicia Langers Grußwort. Ian Portman (Pako), hält die erste Ansprache, hier die deutsche Übersetzung

.

Im Zelt mit der Nakba-Ausstellung, das wieder von Hans und Waltraud Bulling vom Palästinakomitee Stuttgart betreut wurde, war meistens viel los und es ergaben sich interessante Gespräche.

Links: Attia Rajab (Pako) während seiner Rede. Rechts: Shir Hever (Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden) war etwas später dran, er hielt folgende Rede

Links: Abraham Melzer (Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden) mit seinem Beitrag, den er auch auf der Website der-semit.de veröffentlicht hat.
Rechts: Annette Groth von der Partei DIE LINKE hält eine kurze Ansprache.

Aeham Ahmed und Muhammad Tamim stimmen sich ab

Links: Annette Groth im Gespräch mit Peter Grohmann von den Anstiftern
Rechts: Dunja Schaib (Pako) liest Gedichte

Links: Reiner Weigand, Schauspieler und Kabarretist trägt Gedichte von Mahmoud Darwish vor
Rechts: Aeham Ahmed

Yalla Dabke aus München

02.04.16: Veranstaltung mit Prof. Abu-Sitta in Stuttgart

„Nicht die Fiktion ist wichtig, sondern die Fakten“

Prof. Salman Abu-Sitta gilt als einer der besten Kenner der Geschichte der palästinensischen Vertreibung/Nakba. Er ist Gründer der Palestine Land Society plands.org und hat, neben zahlreichen anderen Schriften zum Thema, einen umfangreichen und detaillierten Atlas Palästinas publiziert, der auch online zur Verfügung steht. Prof. Abu-Sitta hält immer wieder Vorträge an amerikanischen Universitäten und weltweit.

Hier ein Bericht über seinen Vortrag am 02.04.2016 in Stuttgart auf einer Veranstaltung des Palästinakomitee Stuttgart.

Prof. Salman Abu-Sitta und unser Übersetzer Tim Slater

In seinem Vortag, illustriert, mit detaillierten Karten und einem Plan über die Rückkehr der Flüchtlinge, meint Prof. Abu-Sitta, dass es seit über 100 Jahren Kämpfe und Streit gibt, weil die Wahrheit nicht anerkannt wird und es darüber hinaus auch eine Angst gäbe, die Wahrheit auszusprechen. Derjenige der die Wahrheit ausspricht, würde Opfer von Verleumdung, Zensur und materiellen Nachteilen. Dennoch gäbe es aber Leute, die die Wahrheit aussprechen.

Die Jahrtausende alte Geschichte Palästinas sei schon seit langem in Büchern und in Monumenten sehr gut dokumentiert. Warum also wird diese Geschichte geleugnet? Warum wird behauptet, es sei ein Land ohne Volk (gewesen)? Prof. Abu-Sitta bezeichnet dies als Tatsachen tötenden Terrorismus.

1919 präsentierten die Zionisten auf der Friedenskonferenz in Versailles eine Karte, die Palästina als leeres Land zeigte, eine Karte, die keine Dörfer und Städte enthielt so Abu-Sitta. Als ob es in Palästina nur Weideland geben würde. Diese Karte wurde den Repräsentanten Frankreichs und Großbritanniens vorgelegt, die natürlich wussten, dass die Karte falsch ist, denn sie hatten bereits 50 Jahre zuvor eine komplette Kartierung Palästinas in einer 10-bändigen Dokumentation angelegt. Doch sie wollten den Zionisten helfen, Palästina zu kolonisieren. Palästina wurde, wie der Irak unter Mandatsklasse A gestellt, was bedeutete, dass es als reif für die Unabhängigkeit betrachtet wurde, jedoch noch eine Zeitlang Unterstützung beim Aufbau staatlicher Institutionen benötige.

Der Irak wurde unabhängig, Palästina jedoch nicht, da der britische Außenminister Arthur Balfour mit jüdischen Zionisten ein Geheimabkommen geschlossen hatte - die Balfour-Deklaration. Herbert Samuel wurde zum ersten Hochkommissar von Mandat-Palästina ernannt. Er war selbst Zionist und sollte den jüdischen Immigranten bei der Einwanderung helfen. Er hat dafür gesorgt, dass die Möglichkeit zur Schaffung eines Staates Israel entstand.

„Wenn Sie auf eine Karte schauen“, so Prof. Abu-Sitta, „sehen Sie, dass Palästina eine strategische Lage hat, eine Brücke zwischen Osten und Westen ist. Es liegt an der früheren Römerstraße zwischen Damaskus und Ägypten.“ Während 30 Jahren britischen Mandats hätte man die Einwanderung jüdischer Immigranten erlaubt, die zionistischen Organisationen hätten es aber nicht geschafft, mehr als 6% Land in all diesen Jahren zu bekommen.

Die Mandatsmacht Großbritannien zog sich schließlich zurück und übergab die bestehenden Probleme an die UNO. Die UNO Generalversammlung erstellte einen Teilungsplan (wohlgemerkt war dies nur ein Vorschlag und kein beschlossener Plan), in dem die jüdischen Einwanderer 55% des Landes erhalten sollten. Die palästinensische Führung gab natürlich keine Zustimmung zu diesem Plan und die Bevölkerung wurde erst gar nicht gefragt.

Man höre immer wieder das Argument, dass die jüdischen Einwanderer den Teilungsplan akzeptiert hatten, die Palästinenser aber nicht. Dieser Teilungsvorschlag hat jedoch keine legale Grundlage, und natürlich würde niemand aus einer einheimischen Bevölkerung so etwas akzeptieren, so Abu-Sitta. Die europäischen zionistischen Milizen hatten zehntausende Milizionäre, die im Krieg trainiert worden waren, die Palästinenser hatten dem nichts entgegenzusetzen.

Er präsentierte eine Karte mit schwarzen Kreisen zur Markierung von Orten, in denen zwischen dem 1. April und dem 14. Mai 1948 Massaker verübt wurden, um die ethnische Säuberung voranzutreiben. Die rot markierten Gebiete der Karte zeigen die eroberten Gebiete an. Die Karte zeigte die Ortschaften, die entvölkert wurden. Dies macht die Hälfte der vor der Gründung des Staates Israel Vertriebenen und Getöteten aus. Die Briten haben die Palästinenser wieder betrogen, denn sie hätten die Bevölkerung eigentlich schützen müssen. Die zionistischen Milizen waren die Aggressoren, zu dieser Zeit hielt sich kein fremder Soldat dort auf, was jedoch gerne von den Zionisten erzählt wird, aber die arabischen Armeen kamen erst später.

Europäer kamen ins Land, um dort zu leben und haben
dafür 670 Ortschaft-
en entvölkert
Prof. Abu-Sitta nannte noch ein anderes Beispiel von fact killing terrorism, der Verfälschung der wirklichen Geschehnisse. Das Dorf Bureir, nordwestlich von Gaza wurde von 3 Seiten umzingelt, eine Seite wurde für die Flüchtenden offen gelassen. Es wurde von Westen mit Panzern und von Osten mit Kanonen angegriffen. 120 Menschen wurden umgebracht. Dann wurde das Dorf in Brand gesetzt, Bomben wurden in die Häuser geworfen, um die restlichen noch Lebenden zu töten. Dies geschah 48 Stunden vor der Staatsgründung Israels, bei der Ben Gurion an die arabische Bevölkerung appellierte, friedlich zu kooperieren.

Es wurden 60-70 Massaker durchgeführt. In Tantura, das südlich von Haifa am Meer liegt, wurde den Menschen gesagt, sie sollten ihre Gräber graben, die nächste Gruppe sollte die Getöteten dann begraben. Es gibt Presseberichte darüber, sagt Abu-Sitta. Frauen wurden oft ihres Schmucks beraubt und umgebracht. Die Männer wurden in Lager zu Zwangsarbeit gesperrt wie z.B. bei Ramle. (Siehe auch The ICRC and the Detention of Palestinian Civilians in Israel's 1948 POW/Labor Camps)

Prof. Abu-Sitta selbst war Mitte der 1990iger Jahre in Genf und hat 500 Dokumente, die sich in Obhut des Roten Kreuzes befinden, fotografiert. Er fand dabei heraus, dass es noch 17 andere Lager außer dem bei Ramle gab. Diese Lager bestanden ca. zweieinhalb Jahre. Es war ein Bericht darüber verfasst worden. Er hatte daraufhin noch 24 Menschen ausfindig gemacht, die damals in diesen Lagern waren und Interviews mit ihnen geführt. Warum die dort gefangen gehaltenen Männer so wenig darüber gesprochen haben spekuliert er, ist sicher dem Trauma zu verdanken, das sie erlitten haben. (Mehr Informationen bei zochrot.org) Die eroberten Dörfer wurden mit Bulldozern zerstört. Bei Tiberias wurden Strukturen, die von einer ca. 3000-jährigen Geschichte zeugen, ausgelöscht.

Inhaltverzeichnis des Atlas of Palestine
Prof. Abu-Sitta weiter: „Wir stehen in der Schuld eines Priesters, der im Jahre 313 einen Reiseführer für Pilger über Palästina geschrieben hat“. In diesem Führer werden die Namen von ca. 2000 Jahre alten Ortschaften erwähnt. Er selbst hat die Namen verglichen und konnte zahlreiche identifizieren. Israel hat 150 dieser Dörfer und Ortschaften 1948 zerstört. Dies sei ein Verlust nicht nur für die Palästinenser, sondern für die ganze Menscheit.

Europäer kamen ins Land, um dort zu leben und haben dafür 670 Ortschaften entvölkert, das ist das, was die Palästinenser die Nakba (Katastrophe) nennen. Viele wurden umgebracht, die anderen wurden zu Flüchtlingen. Dabei ist dies nicht nur Geschichte, so Abu-Sitta, sondern auch Gegenwart, denn jeden Tag gehe die Nakba weiter, wobei das Ausmaß immer größer werde.

Warum z.B. sei Gaza so überbevölkert? Weil Menschen aus 247 Dörfern und deren Nachkommen in Gaza versammelt sind, weil die Bevölkerung aus dem Süden Palästinas dort zusammengedrängt wurde. Der Gazastreifen ist die Waffenstillstandslinie von 1948, wobei noch zusätzliche 200qm nach dem Waffenstillstand vom Gazastreifen durch Israel abgetrennt und in Besitz genommen wurden. Auch im Westjordanland sei es so gewesen. Noch nach dem Waffenstillstand wurden mehr als 100 Dörfer durch die Inbesitznahme Israels geteilt

40% aller palästinensischen Männer waren seither in israelischen Gefängnissen. Würde man diese Zahl auf Europa übertragen, wären 170 Mio. Europäer im gleichen Zeitraum im Gefängnis gewesen. Es sind Dekaden vergangen und die Situation ist eine des Stillstands, es stelle sich die Frage ob das so weiter gehen soll. Soll Macht über Recht siegen?

Viele Politiker, so Abu-Sitta. seien einäugig wenn sie meinen, wir sollen die Fakten zur Kenntniss nehmen und es realpolitisch sehen. Die Palästinenser seien ja nicht verschwunden, sie sind ganz in der Nähe und können nicht ignoriert werden. Millionen leben im Land selbst und Millionen an den Grenzen.

In anderen Ländern sind die Flüchtlinge seit 1945 wieder in ihre Länder zurückgekehrt, wie beispielsweise im Kongo, in Uganda, in Afghanistan und vielen anderen Ländern. Die Palästinenser haben ebenfalls das Recht zurückzukehren. Wir werden deshalb einen Rückkehrplan erstellen, so Prof. Abu-Sitta, und präsentiert eine andere Karte mit blauen und brauen Markierungen, die die prozentualen Anteile von jüdischen und palästinensischen Bewohnern zeigt. Die Karte mit den blau markierten Gebieten sind die Orte, in denen mehrheitlich jüdische Bewohner leben, wie schon unter der Zeit des britischen Mandats. Konzentriert seien diese in Westjerusalem, Tel Aviv und um Haifa oder auch in verschiedenen Kibbuzim. In Galiläa liegt der palästinensische Bevölkerungsanteil bei ca 50%.

Die Karte mit den braun markierten Orten sind die Städte mit gemischter Bevölkerung. Diese liegen hauptsächlich an der Küste. Prof. Abu-Sitta erklärte die Karte des nördlichen Distrikts, in den die palästinensischen Flüchtlinge aus dem Libanon und aus Syrien zurückkehren könnten. Sie kämen nicht ein fremdes Land, sondern würden zu den Orten ihrer Herkunft zurückkehren.

Prof. Abu-Sitta referierte noch über eine Dokumentation über 200 Dörfer, die erstellt wurde, eine Rekontrukion sei daher kein Problem. Es würden ca 1,5 Mio Wohnungseinheiten gebraucht, und die Kosten für das Rückkehrprogramm würden sich auf weniger als 10% dessen, was die USA für die Unterstützung Israels jährlich ausgibt, belaufen, meint er.

Die EU sollte Sanktionen gegen Israel verhängen, sie sei der zweitgrößte Handelspartner Israels und hätte daher die Möglichkeit, Druck zu erzeugen, bis das Völkerrecht eingehalten würde. Er nannte in diesem Zusammenhang beispielsweise auch das EU-Assoziierungsabkommen. Mit dem Geld das Deutschland für die Unterstützung Israels z.B. durch die Zahlung für U-Boote leiste, könnten 150 Dörfer aufgebaut werden. Es gäbe keinen Grund, warum die Flüchtlinge nicht zurückkehren sollten, nur die zionistische Ideologie verhindere dies. Dieses Hindernis müsse abgeschafft werden.

26.03.2016: Ostermarsch in Stuttgart

In diesem Jahr haben wir wieder am Ostermarsch und der anschließenden Kundgebung in Stuttgart teilgenommen und unsere Infoblätter verteilt.

Seit dem ersten Einsatz im Gazastreifen im Jahr 2000 hat die israelische Armee mit ihren bewaffneten Drohnen hunderte PalästinenserInnen ermordet und Tausende verletzt. Darüberhinaus stellen die Kampfdrohnen eine enorme traumatisierende Belastung der palästinensischen Bevölkerung dar.

Zahlreiche Studien von Menschenrechtsorganisationen wie dem Palestinian Center for Human Rights, Al- Mezan, Bethselem, Amnesty International und Human Rights Watch belegen in exakt untersuchten Einzelfällen, dass in Palästina Zivilisten, teils sogar Kinder, gezielt mit Drohnen ermordet wurden. Die empörenden, offensichtlich menschenrechtswidrigen außergerichtlichen Tötungen durch Drohnen der US-Armee vor allem in Afghanistan und Pakistan gehen auf eine Praxis der israelischen Armee im Gazastreifen zurück. Im Gazastreifen wurde dieses Vorgehen für die Nato-Mächte „getestet“ und von der US-Armee übernommen.

Eine der wichtigsten Drohnen für die mörderischen Einsätze im Gazastreifen ist die Heron TP oder Eitan (26 m Spannweite wie eine Boeing 737, kann eine Tonne Gewicht tragen). Der Kriegsroboter wird von Israel Aerospace Industries (IAI) produziert. Genau diese Heron TP-Drohne soll jetzt von der BRD geleast werden...

Vollständiges Infoblatt: Heron-Drohne

Termin, Ort und nähere Information zur Veranstaltung:
Diskussionsveranstaltung mit Professor Salman Abu Sitta

Januar 2016: Offener Brief und Unterschriftenaktion:

Palästinenser, Afrikaner und die Gegner von Kolonialismus lehnen Apartheid ab

Beschädigen Sie nicht den guten Namen der Robert- Bosch-Stiftung durch die Zusammenarbeit mit dem JNF

Sehr geehrter Herr Professor Rogall,
sehr geehrte Damen und Herren vom Vorstand
der Robert-Bosch-Stiftung,
sehr geehrter Herr Minister Schmid,

BDS-Südafrika protestiert bei der COPI-Klimakconferenz in Paris gegen den JNF

am 03.12.2015 fand ein Treffen des Vorstands der Robert- Bosch-Stiftung (zu 92% Besitzer des multinationalen Unternehmens Robert-Bosch GmbH, v. a. Autozulieferer) und des Jüdischen Nationalfonds (JNF) sowie Vertretern der israelischen Botschaft, der baden-württembergischen Landesregierung (Wirtschaftsminister Nils Schmid) und Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in Stuttgart statt. Dabei ging es, laut den Berichten der Jüdischen Allgemeinen vom 10.12. 2015 und des Jüdischen Nationalfonds vor allem um gemeinsame Projekte in Drittländern. Die beiden Organisationen scheinen in erster Linie Afrika und arabische Länder im Blick zu haben. Nachhaltigkeit und Innovation sind zentrale Begriffe, die in den Berichten immer wieder genannt werden. Es geht auch um Nutzung von deutschem Know-how durch den JNF.

Eine zentrale Sorge der Vertreter von JNF und Robert-Bosch- Stiftung war beim Treffen Thema: Die JNF-Projekte werden häufig abgelehnt, die Robert-Bosch-Stiftung soll bei der Zusammenarbeit wesentlich als Türöffner dienen. Die genannten Absichten stoßen bei uns auf entschiedenen Widerspruch, denn die Ablehnung des JNF ist gut begründet.

Auf der Grundlage von Recherchen, unter anderem vor Ort, wissen wir, dass die Geschichte und die rassistischen Aktivitäten des JNF nicht – wie behauptet – der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz dienen, sondern zentral verknüpft sind mit der Vertreibung der Palästinenser und der ethnischen Säuberung im historischen Palästina....
Zum vollständigen Offenen Brief...

Offener Brief deutsche Version
Open Letter English version
Open Letter Hebrew version
lettre en français

Unterzeichnerliste
List of signatories



Aktivitäten 2015

29.11.2015: Start unseres Infobl@tts, zum Tag der internationalen Solidarität



21.11.2015: Infotisch in der Innenstadt

Glücklicherweise gab es eine Gelegenheit sich unterzustellen an diesem regnerischen Nachmittag. Unseren Infotisch mussten wir wegen des Regens hinter uns im Durchgang aufbauen.

24.10.2015: Der PAKO-Infotisch informiert!

Informationen die fast nie in den deutschen Mainstream-Medien zu finden sind.

Ob die Menschen die zu unseren Infostand in der Königstraße am 24. Oktober nur deshalb kamen weil sie unserer Meinung sind, können wir nicht bestätigen. Dass sie mehr über die Situation in Palästina erfahren haben ist aber sicher. Unsere Gespräche waren stets locker und freundlich; die meisten kamen, weil sie die Lage in Palästina unerträglich fanden und wissen wollten, was man tun sollte. Wir warben für die Boykott-Bewegung (BDS) und einen säkularen, demokratischen Staat. Die Akzeptanz für eine Ein-Staten-Lösung ist in letzter Zeit gewachsen. Das Prinzip, einen demokratischen Staat anzustreben, statt eines auf Religion basierenden Staats finden Viele heutzutage vernünftig. Auch die Bereitschaft, falsch ettiketierte Produkte aus West-Bank-Siedlungen zu boykottieren ist gewachsen.

Mehr Information zur Boykott, Desinvestition und Sanktionen-Bewegung (BDS) finden sie hier.

26.09.2015 Kundgebung für Flüchtlinge in Stuttgart

Während der Kundgebung haben wir unseren Infotisch aufgestellt und einige hundert unserer Infoblätter verteilt.

Unter den hundertausenden Flüchtlingen, die dieser Tage in Europa ankommen sind auch Palästinenser aus Syrien und dem Gazastreifen. Sie wurden vor fast 70 Jahren aus ihrer Heimat Palästina vertrieben. Das Flüchtlingslager Jarmuk entstand südlich von Damaskus nachdem zehntausende PalästinenserInnen 1947/48 von bewaffneten zionistischen Banden aus dem nördlichen Palästina verjagt wurden. In den 50er Jahren wurde Jarmuk zu einem Stadtteil von Damaskus. Die Bewohner bekamen aus Solidarität begrenzten Zugang zu Schulen und medizinischer Versorgung.

Auch die Bewohner des Gazastreifens sind Flüchtlinge, Menschen die in Akko, Jaffa und im Negev gelebt hatten, sind gezwungen in dem winzigen Küstenstreifen zu leben. Allen palästinensischen Flüchtlingen wird bis heute ihr durch die UNO verbrieftes Rückkehrrecht von Israel verwehrt...

Vollständiges Infoblatt Flucht oder Tod...

22.08.2015: Büchertisch in der Innenstadt

Obwohl es mitten in der Ferienzeit ist, haben wir in der Innenstadt von Stuttgart einen Infotisch (hier beim Aufbau) aufgestellt, Informationsblätter zur Administrationshaft in Israel aus aktuellem Anlass verteilt und für BDS geworben...








Juli 2015: Auf dem Sommerfest der Kulturen in Stuttgart trafen wir uns mit dem Musiker Vieux Farka Touré

Unser Hauptinteresse am Sonntag, 19.07.2015 galt dem
Sänger Vieux Farka Touré, der in Israel auftreten will.
Das Plakat hatten wir vorbereitet, es aber schließendlich
nicht gebraucht, da sich Vieux Farka zu einem
Gespräch mit uns bereit erklärte.

Am letzten Tag des Stuttgarter Sommerfests der Kulturen trat Vieux Farka Touré auf mit seinem individuellen Sound von traditionellen Rythmen aus Mali, gemischt mit elektrischer Gitarre und 70iger Jahre Blues-Elementen.

Durch die palästinensische Kampagne für einen akademischen und kulturellen Boykott Israels (PACBI) hatten wir erfahren, dass er im August an einem vom israelischen Kulturministerium geförderten Jazz Festival in Eilat teilnehmen wolle, um zusammen mit Idan Raichel, einem erfolgreichen israelischen Musiker aufzutreten.

Links: Vieux Farka Tourè während seines Auftritts. Rechts und unten: einige Pako-Mitglieder warten auf Vieux, nachdem er sich zu einem Gespräch bereit erklärt hat.

Nach dem Ende seines Auftritts trafen wir uns mit Vieux...

Raichel, der auch in Deutschland in diesem Sommer auftritt, steht auf dem Standpunkt “Wir sehen uns als Botschafter Israels in der Welt, kulturelle Botschafter hasbara [Propaganda] Botschafter, auch in Hinsicht auf den politischen Konflikt” Siehe: artistsagainstapartheid.org.

“Ich glaube es ist unsere Aufgabe als Künstler uns für israelische hasbara zur Verfügung zu stellen. (...) In Zeiten des Krieges müssen wir uns alle zur Verfügung stellen. Punkt. Ich fasse unsere Soldaten an den Händen, ja diese so moralischen und stärke die Armee als eine moralische Armee, wie sie nirgends auf der Welt zu finden ist”.
richardsilverstein.com, thankisraelisoldiers.org

Idan Raichel ist auch in illegalen Siedlungen im Westjordanland aufgetreten und hat eine rechte Kampagne für die Unterstützung von Soldaten für gutgeheißen. Nie hat er Zweifel geäußert, kein Wort des Bedauerns über das Leid der Palästinenser heutzutage und die Vertreibung von mehr als 750000 Palästinensern 1948.

Das Plakat (oben links) hatten wir vorbereitet, es aber schließendlich nicht gebraucht, da sich Vieux Farka zu einem Gespräch bereit erklärte. Wir fragten ihn wie es sein könnte, dass ein Musiker davon rede Menschen mit seiner Musik zusammenbringen zu wollen, aber gleichzeitig einen unterdrückerischen Staat unterstütze, der Hass in den Herzen von Menschen verursache.

Als wir ihn fragten ob er oder sein Vater in Südafrika während der Apartheid auf-
getreten wären sagte er "Of course, no!"
Touré sagte er sei nur Musiker und sein Anliegen sei Menschen unterschiedlicher Herkunft und Tradition zusammenzubringen und dass Musik sein Leben sei und er seinen Lebensunterhalt damit verdiene. Er spiele nur mit Idan Raichel, er sei nicht befreundet mit ihm. Wir sagten, dass wir seine Musik toll finden, aber Musik könne auch manchmal den Eindruck erwecken Menschen zusammen zu bringen, während sie gleichzeitig eine bittere Realität verschleiere.

Wir hatten den Eindruck, dass er bisher keine großen Gedanken über den Konflikt gemacht hatte. Er wies darauf hin, dass er selbst Moslem sein und gerne auch in Ramallah auftreten würde, wenn man ihn einlade.

Wir informierten ihn auch über die Behandlung der Falashas (Juden äthiopischer Herkunft) in Israel, die gegen ihre Diskriminierung demonstrierten und von der Polizei brutal behandelt würden. Er hatte noch nie davon gehört. Als wir ihn fragten ob er oder sein verstorbener Vater in Südafrika während der Apartheid aufgetreten wären sagte er "Of course, no!". Genau das sei unser Punkt sagten wir ihm. Israel ist nicht die Art von Gesellschaft, in der ein Musiker aus Afrika auftreten sollte. Vieux erzählte auch, dass er selbst am Flughafen von Tel Aviv schlecht behandelt wurde.

Vieux war beunruhigt darüber, dass Raichel die israelische Armee unterstützt und versprach mit ihm darüber zu reden. Wir versprachen ihm weitere Informationen über Idan Raichel und die rassistische Politik des Staates Israel zu schicken.

Diesen Brief hatte er zuvor von uns bekommen, diese und eine deutsche Version verteilten wir auf dem Sommerfest:
Deutsche Version Englische Version


Hier einige Beispiele anderer Gruppen und Einzelpersonen, die Touré ebenfalls dazu aufgefordert haben, beim Sommerfestival in Eilat nicht mehr mitzumachen:

BDS SOUTH AFRICA schreibt:

Dear Mr Vieux Farka Touré
We refer to your planned performance at the Red Sea Jazz Festival in Eilat in Israel in August 2015 the details of which our comrades in the United States have informed us of.

As BDS South Africa we are a part of the the Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI) and support their call to you to respect the boycott of Israel.

We are aware that PACBI has already sent you correspondence detailing the impact of apartheid Israel’s oppressive and unlawful occupation of Palestinian territory as well as its gross violation of the human rights of Palestinians. We do not intend to repeat the same detail in this letter.

The purpose of this letter is to write to you as fellow Africans who have lived and continue to live with the shadow of the legacy of colonialism and apartheid hanging over us. Fortunately for us, partly due to the immense support of international entities and individuals supporting the boycott of apartheid South Africa, a new democratic and egalitarian dispensation was ushered in 21 years ago. However, the brutal legacy of apartheid continues to plague our society. As a fellow African, whose ancestors lived through the tumultuous years of colonialism and the resistance towards oppressive colonial domination we trust that you understand the plight of those who continue to suffer under conditions of occupation, oppression and torture, such as the Palestinians.

Your collaboration with Mr Idan Raichel, who, as you may know, is a blatant supporter of Israel’s discriminatory policies and its defense forces, has always been concerning. However, far more troubling is your intention to break the cultural boycott against Israel by performing at the Red Sea Jazz Festival in Eilat. Should you proceed to attend and perform at this event, or any other event in Israel until it halts its policy of occupation and repression against the Palestinians, your conduct would effectively signal the condonation of apartheid Israel’s unlawful and oppressive policies towards the Palestinians...
Vollständiger Brief von:BDS SOUTH AFRICA



Dr. Amir M. Maasoumi schreibt:
Dear, Vieux Farka,

Please allow me to express my full support for a total Boycott, Divestment and Sanction of the apartheid State of Israel (including cultural, artistic and academic sanctions).

As a peace ambassador, artiste (http://artistespourlapaix.org/ and / or http://artistespourlapaix.org/?page_id=3898) and as a human being, I totally endorse the demands of Attia Rajab, Ian Portman and Verena Rajab from Palestine Solidarity Committee Stuttgart.

With my best regards.

Dr. Amir M. Maasoumi

Iranian-Canadian intellectual who for over 30 years has worked for peace, social justice, human dignity and intercultural interfaith dialogue on the local, national and international level. In 2013 and 2014 he took part in two International Humanitarian Missions for Peace in Syria, accompanied by Mairead Maguire; the Nobel Peace Prize laureate.



Dear Vieux Farka Touré,

do not Dishonor Malian Music and Cultural Heritage by Entertaining Israeli Apartheid. Please, do not participate in the Eilat Red Sea Festival in August.

DON'T LET ISRAEL USE THE FREE SPIRIT OF JAZZ TO WHITEWASH APARTHEID AND MILITARY OCCUPATION
boycottisrael.info

Yours for peace and justice
Claudia Karas
AG Palästina/Frankfurt, Germany

commondreams.org youtube.com

Open Letter to Vieux Farka Touré – Don’t entertain Israeli apartheid bdsberlin.org


An vier Tagen hatten wir einen Stand für Falafel und Maqlouba – hier beim Aufbau – der wie immer sehr beliebt war. Außerdem haben wir Bücher und Infomaterialien an einem Extrastand präsentiert.

25.06.2015: „Freiheit und Gerechtigkeit –
die Schlüssel zum Frieden in Palästina“

Veranstaltung mit Miko Peled in Stuttgart, Veranstalter: Palästinakomitee Stuttgart

Veranstaltung mit Miko Peled
Miko Peled rechts im Bild, mit unserem Übersetzer Tim Slater - Die Veranstaltung auf youtube.com

Der Raum im AWO in Stuttgart-Ostheim war mit fast 100 ZuhörerInnen voll, als Miko Peled, Autor des Buches The General's Son eine spannende Rede hielt. Es ging um seine Einschätzung der aktuellen Lage in Palästina, aber er beschrieb auch seine persönliche, innere Reise vom Soldaten und Offizier in den israelischen Streitkräften, zu einem passionierten Gegner des zionistischen Kolonialprojekts.

Veranstaltung mit Miko Peled
Vorstellung von Miko Peled durch Verena Rajab und Ian Portman, Palästinakomitee Stuttgart. Durch Cams21 wurde die Veranstaltung an den arabischen Fernsehsender AlJazeera übertragen

Miko Peled sieht die immer weitere Ausdehnung der israelischen Siedlungen im Westjordanland als die natürliche Weiterentwicklung des Systems, das mit der Besatzung des Landes Palästina vor fast 70 Jahren begann - Vertreibung, ethnische Säuberung, die Schaffung jüdischer Siedlungen...

Mit den sogenannten Friedensgesprächen werde die Illusion aufrechterhalten, dass es sich um zwei zerstrittene Entitäten - Israel und Palästina - handele, dabei sei nirgends etwas von Palästina zu sehen. Nötig sei aber eine Anstrengung um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen.

Der Mythos, dass sich die Menschen dort schon seit Jahrhunderten streiten würden wird gepflegt, so seine Aussage, um die Aussichtslosigeit und außerordentliche Schwierigkeit Frieden erreichen zu können zu unterstreichen. Die andere Legende, die am Leben gehalten würde, sei die der Hebräer, die nach Jahrtausenden des Exils nach Hause zurückgekehrt seien, als ob es sich bei den Einwanderern heutzutage, um die direkten Verwandten der damals in Palästina lebenden Juden handeln würde.

„In Palästina wurde ein Staat für jüdische Siedler geschaffen, die Mehrheit der Juden lebt jedoch nicht dort und die Mehrheit der Menschen die dort leben sind Nichtjuden. An diesem Staat ist nichts genuin Jüdisches, mit Ausnahme der Sonderrechte für Juden“
Die Balfour-Deklaration werde in Israel so hochgehalten, als ob diese schon allein die Existenz des Staates rechtfertige. In Wirklichkeit hätte aber damals ein weisser Rassist (Balfour) einem anderen weissen Rassisten (Rothschild) ein Land versprochen, das ihm garnicht gehörte - ein Akt unter Kolonialisten, der heute eigentlich von niemand mehr akzeptiert werden kann.

Auch die Aufteilung durch die UNO im Jahr 1947, bei der einer Minderheit von Einwanderern ein viel größerer Anteil des Bodens zugeteilt werden sollte, unterstreiche die damalig herrschende Mentalität des Kolonialismus.

Noch eine Legende die befördert werde, sei die, dass die jüdischen Siedler die Aufteilung der UNO akzeptiert hätten, dass sie dann aber von den Arabern angegriffen wurden und sich gegen eine Übermacht verteidigt hätten. Eine romantische Erzählung des siegreichen Heldentums wird aufrechterhalten. In Wirklichkeit jedoch gab es 40 000 Kämpfer zionistischer Milizen, der überhaupt nichts Vergleichbares auf palästinensischer Seite gegenüberstand. Arabische Armeen griffen erst ca. 8 Monate später ein, als die Zerstörung von Dörfern und Städten sowie die ethnische Säuberung zum Großteil bereits gelaufen war.

Andererseits wird erzählt, dass die Araber von selbst weggegangen seien und nicht in großem Stil vertrieben wurden. Ich frage mich, so Peled, allerdings wie das vonstatten gegangen sein muss, wenn hundertausende von Menschen einfach weggegangen und nicht geflohen sind. Hat jemand Bus- oder Flugtickets für sie organisiert?

Es wird behauptet, dass es praktisch nichts gegeben habe bevor die jüdischen Siedler ins Land kamen, erst diese brachten wirkliche Werte ins Land. Blühende Städte, wie zB. Yaffa mit 120000 Einwohnern, das ein reges kulturelles Leben hatte, mit Kinos, Theatern, Boulevards und der Publikation mehrerer Zeitungen werden nie erwähnt, gezeigt werden höchstens arme Bauern mit Eseln. Yaffa wurde 1949 innerhalb von 2 Wochen zerstört, die Bewohner flohen und wurden vertrieben, 4000 blieben zurück. Diese wurden in einem Viertel konzentriert.

Palästina auf das Westjordanland und den Gazastreifen zu reduzieren, als ob die Besatzung Palästinas erst 1967 begonnen hätte ist falsch, so Miko Peled. Die Grenzen zum Gazastreifen und zum Westjordanland wurden von Israel "gezogen". Im Gazastreifen konzentrierte man in mehreren Lagern die Flüchtlinge, die hauptsächlich aus dem Süden kamen.

„Im Archiv der israelischen Armee las ich die Protokolle die vor dem 1967er-Krieg geschrieben wurden. Darin steht, das Gegenteil der Behauptung, dass sich Israel in existentieller Bedrohung befand, sondern, dass die arabischen Armeen auf einen Krieg unvorbereitet seien und sich deshalb die Chance für einen Angriff biete. Auch mein Vater sagte dies.“
Die vertriebene Flüchtlinge von 1947/48 versuchten aus dem Gazastreifen zurück zu ihre Heimatsortschaften zu gelangen, wurden aber als „Eindringlinge“ bezeichnet und brutal behandelt und zu den überfüllten Flüchtlingslagern im Gazastreifen zurückgebracht. Die „Eindringlinge“ wurden bald zu „Feddayin“, dann zu „Terroristen“ und heute werden sie als „Hamas-Terroristen“ bezeichnet. Dabei sind sie in der Wirklichkeit eingekesselte Flüchtlinge, die nur eines wollen: zurück in ihre Heimat. Aber der Gazastreifen wird behandelt als ob er nichts mit der Geschichte zu tun hätte und wird seit 70 Jahren immer wieder angegriffen, mit immer größerer Härte.

Meine Recherchen für das Buch führten mich auch in das Archiv der israelischen Armee. Dort las ich die Protokolle die vor dem 1967er-Krieg geschrieben wurden. Darin steht, dass die arabischen Armeen auf einen Krieg unvorbereitet seien und sich deshalb die Chance für einen Angriff biete, während die Generäle der Öffentlichkeit einen notwendigen Präventivschlag in einer Situation existenzieller Bedrohung vormachten. 18000 arabische Soldaten wurden getötet, 700 israelische. Schon allein an diesem Zahlenverhältnis wird klar wo die Bedrohung wirklich lag. Mein Vater sagte merkwürdigerweise im ersten Meeting nach dem Krieg, dass wir jetzt mit den Palästinensern Frieden schließen könnten. Dies war die Geburtsstunde der Zwei-Staaten-Lösung.

Als Zivilist widmete er sich dieser Idee und mit einigen Unterstützern überlegten sie ohne offiziellen Auftrag wie dieses Ziel zu erreichen sei. Dann nahm die PLO Kontakt mit dieser Gruppe auf. 1988 erkannte die PLO Israel an und schwor dem bewaffneten Kampf ab. Das darauffolgende Oslo-Abkommen, verschlechterte die Lage jedoch, sie ist so schlimm wie nie zuvor.

Das Aufrechterhalten dieses Systems wäre nicht möglich ohne das viele Geld aus Deutschland meint Miko Peled - jede Waffe, jeder Cent und Euro dient dem Zweck das Leben für die Palästinenser schlechter zu machen. Keiner in Deutschland ist unschuldig, es gibt nur eine Möglichkeit und zwar aktiv dagegen zu sein.

Es wäre absolut falsch und unmöglich zu versuchen, eine soganannte Zwei-Staaten-Lösung zu erreichen. Die israelische Rechte – nun mit großer Mehrheit wieder als führende Kraft im Lande bestätigt – will dies sowieso nicht und es wäre ohnehin unmöglich, einen Staat zu schaffen, in den zerstückelten Gebieten, die für Palästina vorgesehen sind.

Doch er denkt, die Chancen für einen demokratischen Staat zwischen Mittelmeer und dem Jordan verbessern sich ständig. Immerhin, in Südafrika herrschte ein rassistisches System das 350 Jahre dauerte, das aber mittels internationaler Ächtung und Boykott besiegt wurde.

Peled hält die internationale BDS-Bewegung für das Mittel der Wahl eine Veränderung in diesem Sinne voranzubringen. Wir alle müssen daran arbeiten sagt Peled am Schluß seines Vortrags, der eine rege Diskussion folgte.

Infoblatt zur Veranstaltung auf Deutsch Info-PDF in English

02.05.2015: Veranstaltung zur Erinnerung an die palästinensische Nakba in Stuttgart auf dem Schloßplatz

Artikel über die Veranstaltung auf beobachternews.de. Auf cams21.de kann die Veranstaltung verfolgt werden.
Presseerklärung zum Palästina-Nakba-Tag Presseerklärung

Hier einige Eindrücke unserer Veranstaltung, die wir zusammen mit der Palästinensischen Gemeinde Deutschland-Stuttgart e.V und dem Verband der Palästinensischen Gemeinden Deutschlands auf dem Schlossplatz in Stuttgart organisierten. Wir hatten insgesamt drei Zelte aufgestellt, im größten war die Ausstellung "Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948" zu sehen, in den beiden kleineren Zelten war der Falafelstand und der Infostand untergebracht. Nach den Reden tanzte die Tanzgruppe Yalla Dabka aus München. Die Veranstaltung wurde von CAMS 21 an den Fernsehsender AlJazeera übertragen. Unser Übersetzer Tim Slater übersetzte für sie ins Englische.
Die einzelnen Reden werden als PDFs unter den jeweiligen Bildern der Redner integriert. Eine Rede, die wegen Zeitknappheit nicht mehr gehalten werden konnte, ist die der Neuen antikapitalistischen Organisation (NaO): NaO-Rede.

Bild links: Unsere beiden kleineren Zelte, für Infostand und Falafelstand. Bild rechts: Verena Rajab, vom Palästinakomitee Stuttgart eröffnete die Veranstaltung

Im Hintergrund das Zelt mit der Ausstellung "Die Nakba - Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948"

Schirmfrau der Veranstaltung Felicia Langer, Trägerin des Alternativen Nobelpreises und des Bundesverdienstkreuzes während ihrer Rede, neben ihr Attia Rajab, Palästinakomitee Stuttgart

Viele Interessierte kamen ins Ausstellungszelt (Bild links). Die Ausstellung wurde vom Verein Flüchtlingskinder im Libanon e.V. konzipiert und war inzwischen in vielen Städten in Deutschland und in der Schweiz zu sehen. Eine englische Version war im europäischen Parlament in Straßburg 2014 ausgestellt. Mehr Info findet man auf der Website des Vereins unter lib-hilfe.de, englische Infos hier
Bild rechts: das von uns gestaltete Plakat zeigt Angehörige der zionistischen Miliz Haganah, wie sie Bewohner aus Haifa vertreiben.

Hans und Waltraud Bulling, vom Palästinakomitee Stuttgart standen als Ansprechpartner im Ausstellungszelt zur Verfügung

Links: Prof. Fanny Reisin, von Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden kam aus Berlin, Fuad Hamdan vom Palästinakomitee München (oben rechts), und Piet de Vries, vom Palästinakomitee Holland, der aus Haarlem bei Amsterdam anreiste. Rede Fanny ReisinRede Piet de Vries

Ian Portman vom Palästinakomitee Stuttgart und Annette Groth, von der Partei die Linke während ihrer Reden
Ian Pormans Rede auf Deutsch und auf English

Mitglieder der Tanzgruppe Yalla Dabka lassen sich unter den blühenden Kastanienbäumen auf dem Schlossplatz fotografieren

Die Tanzgruppe Yalla Dabka tanzt vor der Bühne

Am Schluß tanzten viele mit. Glücklicherweise war das Wetter gut, nicht wie am ersten Mai, der total verregnet war, siehe unten.

unser Infoblatt zur Veranstaltung

01.05.2015

Am verregneten ersten Mai waren wir die ersten, die auf dem Gelände des Waldheim Sillenbuch (Clara Zetkin Haus) in Stuttgart unser Info- und Falafel-Zelt aufstellten.

Veranstaltung, Ostern 2015: Die israelische Wahl: Millionen ohne Wahlrecht

yo'av und iris bar aus Tel Aviv Von links nach rechts: Tim Slater, Dolmetscher; Yoav Bar, Iris Bar (Friedensaktivisten aus Haifa); Attia Rajab (PAKO-Stuttgart)

Während auch die jüdischen Siedler im Westjordanland wählen gingen, gibt es dieses Recht für die palästinensische Bevölkerung dort nicht.

Wer immer noch glaubt, dass Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten sei, musste unangenehme Kröten schlucken am Ostersonntag im Sillenbucher Waldheim. Iris Bar hat den Ablauf des Wahlvorgangs in all seinem populistischen Ausmaß nüchtern beschrieben und berichtete, dass alle Parteien in ihren Wahlkampagnen offen rassistisch argumentiert hatten.

Trotz des etwas gewagten Termins kamen 45 Interessierte zusammen, um eine eher realistische Einschätzung zu hören, über Chancen für Frieden und die Zukunft für Palästinenser und Israelis auf ein gleichberechtigtes Zusammenleben.

Yoav Bar und Iris sind der Überzeugung, dass genauso wie nach Amerika, Norwegen, Argentinien oder sonstwohin ausgewanderte Juden in ihren jetzigen Heimatländern Amerikaner, Norweger und Argentinier sind, nach Palästina ausgewanderte Juden, Palästinenser sind.

Von einer Analyse und Zusammenfassung über die Lage in den arabischen Nachbarländern, über die Analyse der israelischen Wahlen sprachen sie über ihr Engagement für eine gleichberechtigte Zukunft im ganzen Land, ohne Apartheid und diskriminierende Gesetze, gegenüber dem Teil der Bevölkerung der nichtjüdisch ist.

Video der Veranstaltung: publicsolidarity.de

10.03.15 – Veranstaltung mit Jeff Halper, dem Vorsitzenden des „Israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen
Nach dem Scheitern der Zwei-Staaten-Lösung – neue Perspektiven für Palästina und Israel?

Jeff Halper beim Vortrag: Auf einer der Karten die er präsentierte machte er deutlich, dass Israel sich das Westjordanland (orangefarbene Teile in der Mitte) einverleibt und ein Apartheidsystem geschaffen hat und der Gazastreifen (orange, links) durch die Abriegelung und Blockade zum Gefängnis gemacht wurde. Er bezeichnete die durch Straßen, Siedlungen und unterschiedlichen Rechtsstatus zerstückelten palästinensischen Gebiete als Bantustans. Auf der Website von ICAHD stehen detailierte Karten zur Verfügung.

Um zu einer gerechten Lösung zu kommen, müsste u.a.

Er rief dazu auf, Die BDS-Bewegung zu unterstützen und ihr auch verstärkt die Komponente des Boykotts von Waffenlieferungen hinzuzufügen, da Israel ein System geschaffen hätte, bei dem die palästinensische Bevölkerung als Versuchskaninchen der Waffenindustrie, die inzwischen rund 30% der israelischen Wirtschaft ausmache, diene. In diesem Zusammenhang empfahl er die Publikationen von Shir Hever, der sich diesem Thema auch in seinem neuesten Buch Die Politische Ökonomie der israelischen Besatzung: Unterdrückung über die Ausbeutung widmet. Das Buch ist im IPS-Verlag erschienen.

Ungefähr 80 Interessierte hörten seinen Vortrag und am Schluß beteiligten sich viele an einer lebhaften Diskussion.



Aktivitäten 2014

Veranstaltung mit dem Autor und Journalist Max Blumenthal am 07.11.14 in Stuttgart

Der Gazakrieg im Sommer 2014, Hintergründe und Konsequenzen (Die Rede von Blumenthal wurde während der Veranstaltung ins Deutsche übersetzt, siehe Video)

Hier klicken um das Video von Public Solidarity zu sehen.

Oben: Max Blumenthal (stehend) beim Vortrag vor mehr als 100 Besuchern. Tim Slater (links sitzend), übersetzte Blumenthals Rede ins Deutsche. Unten links: Vor Beginn der Veranstaltung am Infotisch, wo wir auch sein Buch "Goliath: Life and Loathing in Greater Israel" verkauft haben. Rechts: Diskussion nach dem Vortrag, mit Moderatorin Wiltrud Rösch-Metzler.

Mit klaren Worten und klarer Analyse, appellierte der berühmte amerikanische Autor und Journalist Max Blumenthal direkt an die deutsche Öffenlichkeit, ihr bisheriges, fruchtloses Gedankengut Israel gegenüber zu überdenken und die deutsche Regierung aufzufordern, ihre Israel-Palästinapolitik radikal zu ändern.

Die unbedingte Unterstützung eines zunehmend rechts-religiösen radikalen Staats liege auch nicht in Deutschlands Interesse meinte Blumenthal; es wiederspricht den Grundwerten unserer demokratischen Ordnung. Die Zusendung nuklearfähiger U-boote und anderer anspruchsvoller Waffen an so einen Staat hilft dem Frieden im Nahen Osten keineswegs.

Max Blumenthal hat während des Krieges im Sommer vor Ort im Gazastreifen recherchiert. Er war zusammen mit anderen prominenten Persönlichkeiten, wie Richard Falk (ehem. Menschenrechtsbeauftragter der UN), dem norwegischen Arzt Mads Gilbert, der mit seiner Arbeit in den Krankenhäusern in Gaza während der Kriege 2008/09 und im Sommer 2014 weltbekannt geworden ist, Zeuge in der Sondersitzung des Russell- Tribunals zum Gazakrieg in Brüssel Ende September 2014.

Vor mehreren Jahren machte Blumenthal, wie viele andere junge amerikanische Juden, ein Schnupperreise nach Israel, um die Erfüllung des zionistischen Traums zu bewundern. Was er dort sah veränderte seine Meinung radikal. Er ist nach und nach der Grundlage des Zionismus nachgegangen und stellte fest, dass die Besatzung Palästinas rassistisch, kolonialistisch und menschenverachtend ist.

Vor vielen Zuhörern im überfüllten, großen Saal im Haus der katholischen Kirche plädierte Blumenthal für Klarheit darüber was Antisemitismus ist und was es nicht ist. Insbesondere müsse man sich darüber im Klaren sein, dass Zionismus den Antisemitismus braucht, um zu überleben. Jedes mal wenn sich die öffentliche Meinung über Israels neueste Gräueltaten erschreckt, beginnt eine neue Runde von Antisemitismusvorwürfen gegen denjenigen, die zurecht diese Verbrechen beim Namen nennen.

Antisemitismus muss bekämpft werden – genau so wie die schnell wachsende Islamophobie. Die Instrumentalisierung des Leids der ermordeten europäischen Juden zur Unterstützung eines rassistischen Staates is nicht zulässig. Israel repräsentiert ganz offentsichlich weder das Judentum, noch die Meinung sehr vieler Juden. Beide gleichzusetzen ist ein großer Irrtum.

Unser Infoblatt, mit dem wir für unsere Veranstaltung geworben haben.

Veranstaltung in Stuttgart am 29.10.14: Perspektiven für einen gerechten und dauerhaften Frieden in Palästina

29.10.14: Bild oben: Attia Rajab stellt unsere Gäste Eitan Bronstein und Mohammad Jaradat vor. Auf dem Bild unten v. links nach rechts: Eitan Bronstein, Übersetzer Tim Slater, Mohammad Jaradat und Moderatorin Wiltrud Rösch-Metzler von Pax Christi...

Der Abend war lang und interessant. Eitan Bronstein referierte ausführlich über die Organisation Zochrot, die auf vielen Ebenen die Geschichte der Palästinenser recherchiert und bekannt macht. Zochrot organisiert Busfahrten zu zerstörten oder noch immer sichtbaren Dörfern und hat eine iPhone-App entwickelt, mit deren Hilfe die Wege zu diesen Dörfern und Städten nachvollzogen werden kann. Die mobile app heißt iNakba

Darüberhinaus setzt sich Zochrot für die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge ins historische Palästina ein. Zochrot hat einen Plan zur praktischen Umsetzung der Rückkehr erstellt und einen Rückkehrerpass entworfen, mit dem die Mitglieder immer wieder im Zentrum Tel Avivs demonstrieren. Zochrot organisiert Zusammenkünfte mit Veteranen von zionistischen Milizen und dokumentiert deren Aussagen über Vertreibung und Massaker von palästinensischen Zivilisten um die Staatsgründung Israels. Die Organisation setzt sich für den Erhalt von noch nicht zerstörten palästinensichen Dörfern ein und hat Infomaterial für Schüler erstellt u.V.m., die manche Lehrer teilweise benützen, obwohl es ihnen nicht erlaubt ist.

Während seines Vortrags, zeigte Eitan Bronstein zwei bewegende Videoaufnahmen.

In der ersten, sprach ein ehemaliger Palmach-Kämpfer (Eliteeinheit der jüdischen Hagganah-Miliz) Das Hauptthema: der Umgang dieser Einheit mit der palästinensischen Zivilbewölkerung. Die Standarderzählung in Israel ist, dass bewaffnete israelische Kräfte gegen arabische Einheiten gekämpft haben und keine Zivilisten vertrieben. In diesem Videoabschnitt aber, wiederlegt Amnon Neumann diese Behauptung und macht es klar dass, bei den Aktionen an denen er beteiligt war, es sich tatsächlich um ethnische Säuberung handelte. [teilweise mit deutschen Untertiteln].
Transkription: zochrot.org [en]

Der zweite Abschnitt ist ein kurzes Interview mit einer Holocaust-Überlebenden, Genia Kolvske. Nachdem sie nach Palästina gekommen war, lebte sie in einem desolaten Flüchtlingslager. Nach eine Weile hat die Einwanderungsbehörde ihr ein Haus zugeteilt und den Schlüsssel gegeben. Als sie aber in den Garten des Hauses kam, sah sie einen gedeckten Tisch. Es war ihr sofort klar, dass die Bewohner in großer Eile das Haus verlassen haben mussten. Sofort ist bei ihr die furchtbare Erinnerung an Nazi-Deutschland hochgekommen - als sie und ihre Familie zwangsevakuiert worden sind. Ihr Hab und Gut mussten sie auch damals zurücklassen. Genia Kolvske hat daraufhin den Schüssel wieder an die Behörde zurückgegeben. [mit deutschen Untertiteln].
Transkription: zochrot.org [en]

Mohammad Jaradat sprach über den zivilen Widerstand der palästinensischen Bevölkerung, über die immer größer werdenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die Farce, die die Oslo-Verhandlungen bedeutet. Er bat um Unterstützung der Boykott-Kampagne BDS und informierte über die Arbeit der Menschenrechtsorganisation Badil, deren Mitbegründer er war.

Er sieht das das Hauptproblem dafür, dass Israel seine brutale Politik fast ungestört fortsetzen kann in der Unterstützung, das es im Westentlichen von den westlichen Ländern erfährt. Hinter verschlossenen Türen, ohne Kamera und Mikrophon würden zwar viele EU-Politiker offen darüber sprechen wie sie die israelische Politik satt hätten, doch auf offizieller Ebene wird davon bisher nichts spürbar.

Am Schluß gab es eine lebhafte Diskussion und Fragen an die beiden Referenten.

Infoblatt zur Veranstaltungsankündigung

10.10.2014 Ein Plädoyer für ein neues säkulares Jerusalem

Vortrag, Lesung und Diskussion mit der israelischen Menschenrechtsaktivistin und Journalistin Ofra Yeshua-Lyth in Stuttgart

„In den 1950igern und 60igern unternahm der Staat Israel gewaltige Anstrengungen, um massenweise Araber in sein Territorium zu ziehen weil sie Juden waren. In den 1990igern und den ersten Jahren des neuen Jahrtausends organisierte es einen Massenimport von Nicht-Juden, weil sie keine Araber waren“. (Buchausschnitt)

Ofra Lyth
Ofra Lyth bei ihrem Vortrag; Rechts oben: Die englische Ausgabe ihres bereits 2004 auf Hebräisch publizierten Buchs; rechts unten: Verena Rajab stellt unseren Gast vor.
Ofra Lyth
Darüberhinaus gab es Getränke, palästinensische Stickereien und unseren Infotisch

Ophra Lyth
In ihrem Buch „The Case for a Secular New Jerusalem. A Memoir“ setzt sich Ofra Yeshua-Lyth mit dem Konzept des „Jüdischen Staats“ auseinander. Den Kern des Problems sieht sie in der religiösen Natur der zionistischen Bewegung, die unter einer modern-säkularen Verblendung liegt. Anhand von Familiengeschichten, unter anderem ihrer beiden Grossmütter, die aus dem Jemen und aus Russland nach Palästina eingewandert waren, und ihrer Erfahrung als Journalistin, zeichnet die Autorin ein Bild von einer Gesellschaft, die sich als demokratisch begreift, die aber in einer Apartheid-Ideologie gefangen ist, die den modernen Menschenrechten widerspricht. Die Mehrheit der jüdischen Israelis stellen sich hinter eine politische, zionistische Führung, die alle nicht-jüdischen BewohnerInnen Palästinas als „demographische Gefahr“ definiert und diese Anhand von 55 Gesetzen diskriminiert.

Das Buch soll ins Deutsche übersetzt werden. Einige der bereits ins Deutsche übersetzten Teile wurden bei unserer Veranstaltung vorgelesen.

Ofra Yeshua-Lyth arbeitete lange für die israelische Tageszeitung Ma’ariv als Redakteurin und in den 80er Jahren als Auslandskorrespondentin in Washington D. C. und Deutschland. Später gründete sie ein PR-Büro in Tel Aviv. Sie ist in mehreren politischen und gesellschaftlichen Initiativen aktiv, die die Idee des gemeinsamen demokratischen und säkularen Staates im historischen Palästina voran bringen möchten.

Die englische Ausgabe kann hier bestellt werden: amazon.com

Linke und Antimilitaristen demonstrieren gegen Zionismus und Antisemitismus in Stuttgart am 16.08.14

Am Versammlungsort in der Nähe des Hauptbahnhofs in der Lautenschlagerstraße